Schule Oetwil am See

Rückblick auf die Projektwoche 'Storchenhausen' (von Walter Fasnacht, Juli 2017)

Wie schafft es Oetwil am See, dass die ganze Primarschule eine Woche lang im gleichen Boot sitzt? Richtig, durch die gemeinsame Projektwoche ‚Storchenhausen’! Und wenn dann alle am selben Strick ziehen, kann nichts mehr schief gehen – das Boot gleitet wie von selbst über den See. Wie viele Sitzungen, Storchenhausener Bürgermeister-Entscheide und Storchen-Aussäge- und Bemalstunden bereits vor dieser Projektwoche aufgewendet wurden, wollen Sie nicht wissen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Am Abschlussfest sassen alle Kinder, Eltern, Bekannte und Verwandte gut gelaunt auf dem Pausenplatz Blattenacher. Die ganze Organisation hat einwandfrei funktioniert und das schöne Wetter trug viel zu einem gelungenen Abend bei. Auch wenn die folgenden Bilder mehr als 1000 Worte sagen, sollen 33 Worte in Gedichtform, d.h. drei Elfchen der SchülerInnen der 6. Klasse, erst mal einen schriftlichen Eindruck der ersten Storchenhauser Projektwoche vermitteln:

 

Bei

Radio Storchenhausen

war was los

und es war grandios

Bravo!

 

Ein

Oetwiler Storch

fliegt über Storchenhausen

und sieht ein Mosaik

fertig

 

Der

Storch von

Storchenhausen fliegt hoch

über das kleine schöne

Oetwil         


Gedichte stellen ja bekanntlich alles in kürzester Form klar, und hier ist dies: Oetwil kann stolz sein auf die Kinder und die Schule. Die Schulleitung, besser gesagt die Bürgermeister der Projektwoche waren äusserst zufrieden mit dem Verlauf der Projektwoche und freuten sich über ein tolles Fest.

 

Während der doch nicht ganz vernachlässigbaren Vorbereitung war die Frage immer: Gelingt es oder gelingt es nicht? Können wir die riesige Palette der angebotenen Ateliers , von der Chilbi über das Theater, der Wellness-Oase und der Papier-Werkstatt, von den Römern bis zum Recycling nicht nur in eine Projektwoche packen sondern auch an einem Schlussfest zeigen? Schon am ersten Morgen der Projektwoche dann das Aufatmen: Es klappt! Die besondere Herausforderung war, die Kinder nicht in ihren Klassen sondern quer durch alle Stufen zu eigenständigem Arbeiten anzuleiten. Der Schreibende hatte selbst ein Dutzend Kinder der ersten Klasse und weitere aus der 2. bis 4. Klasse. Ein grosses Kompliment geht an die älteren Kinder, welche die jüngeren Schülerinnen und Schüler aktiv unterstützten.

Und die Kinder in den über 20 Ateliers? Was konnten sie nach Hause tragen, wirklich und bildlich? Das Bild vom Pony, das so lieb war, das braucht das Kind nicht an die Wand zu hängen, das bleibt im Herzen. Und die Athletinnen und Athleten haben an der Abschluss-Vorführung in der Turnhalle in der Breiti mit ihrer atemberaubenden Akrobatik nicht nur Staunen und Klatschen ausgelöst, sondern bestimmt auch in sich selbst einen bleibenden Eindruck ihrer Leistungsfähigkeit hinterlassen! Das Mosaik, welches der Storch nun tatsächlich in fertigem Zustand überfliegen kann, das soll auch in 30 Jahren die Oetwiler Kinder, respektive dannzumal bestandene Eltern, noch stolz machen: Auf ihre Schule, auf ihr Gemeinschaftswerk, ihr Mosaik!

Etwas herstellen, etwas selber machen, etwas vorstellen dürfen, das war für viele Kinder Anreiz genug, sich in dieser "Produktwoche" voll einzubringen und engagiert mitzuarbeiten. Am Fest sprang dann der Funken endgültig über: Stände aufbauen und einrichten, alles schön präsentieren, unruhig und gespannt auf die Gäste warten. Nicht einfach ein paar Eltern, sondern das ganze Dorf kam an unser Schulfest. Man kennt sich, man begrüsst sich und es spielt überhaupt keine Rolle, welche Sprache man spricht, denn man feiert gemeinsam die Arbeit der Kinder. Alle sind da und schwatzen, lachen, essen und trinken miteinander. An den Marktständen wird fleissig verkauft. Die Kinder zählen immer wieder das eigenommene Geld und erlernen die Grundlagen der Marktwirtschaft. Viel später werden die Kinder herausfinden, dass es an ihren wunderschönen Ständen mit einer unglaublichen Vielfalt von Produkten - und den bescheidenen Preisen - nicht um Geld, sondern um Wertschätzung ging, um ein Dankeschön von ihren Eltern und der Bevölkerung von Oetwil.

An diesem gemeinsamen Abend realisiert man all dies und steht als Lehrer nur noch da, mit offenem Mund, bringt keinen Ton heraus, und sagt nur ganz leise in sich hinein: Es ist gelungen! Und am andern Tag braucht es keine tausend, sondern nur drei Wörter, diejenigen der italienischen Mitarbeiterin: che bella festa!

 

Walter Fasnacht

Fachlehrer, Primarschule Oetwil am See


Impressionen aus Storchenhausen